Die Autorin
Martina Simonis
Geschichten sind Teil meines Lebens.
Mein Vater erzählte mir fantasievolle Gute-Nacht-Geschichten, meine Mutter und Großmutter erzählten von früher. Sobald ich lesen konnte, traten Bücher an ihre Stelle: zuerst Kinder- und Jugendbücher wie Karl May und Michael Ende, aber auch klassische deutsche Literatur und Fantasy-Literatur von Tolkien, Lewis, Ursula Le Guin, Neil Gaiman und anderen. Am liebsten hätte ich die Nächte durchgelesen, aber wie in den meisten Familien wurde streng kontrolliert, ob ich abends das Licht ausmachte. Da ich nicht mehr lesen konnte, dachte ich die Geschichten einfach weiter, schmückte sie aus. Das war so spannend, dass meine Eltern nie mehr Probleme hatten, mich ins Bett zu bekommen.
Wer viel liest, will irgendwann auch schreiben.
Ich erinnere mich genau an den Tag, als ich zum ersten Mal beschloss, Schriftstellerin zu werden. Ich hatte ein Buch über Kassandra gelesen. Es war ein Geschenk des besten Freundes meines Vaters aus der DDR und so langweilig, dass ich dachte, das will ich mal besser machen. Meine ersten Stücke entstanden dann auch bereits während der Schulzeit, schon damals mit fantastisch-hintergründigen Elementen.
Schreiben lässt sich nicht studieren.
Zuerst musste ich etwas „Anständiges“ lernen. So studierte ich kurz Medizin, dann Theologie, danach Französisch und Englisch am Dolmetscherinstitut in Heidelberg, wo ich schließlich auch mein Diplom als akademisch geprüfte Übersetzerin machte. Heute bin ich froh über die Umwege, die ich damals für Versagen hielt. Das Übersetzerstudium lehrte mich den akkuraten Umgang mit Sprache, und mein Interesse an Medizin, Naturwissenschaften, Psychologie, Theologie und Philosophie fließt unermüdlich in mein Schreiben ein.
So bunt wie mein Werdegang ist auch mein Berufsleben.
Neben dem Schreiben übersetze ich Bücher im Bereich Gestalten, arbeite als Urkundenübersetzerin, gebe Sprachkurse und bin als Fremdenführerin in Baden-Baden tätig. Auch wenn es manchmal schwierig ist, die vielen unterschiedlichen Verpflichtungen zu organisieren, bin ich doch dankbar für die Unterbrechungen, die sie für mein Schreiben bedeuten. Nach einer Pause liest man die eigenen Texte mit neuen Augen und findet leichter Brüche in der Logik oder sonstige Schwachstellen. Mein Rückhalt ist meine Familie, mein Mann, unsere beiden erwachsenen Söhne, unser Hund, und die guten Freunde, die mir immer wieder verzeihen, wenn ich mal wieder mit den Gedanken in andere Welten abdrifte oder mich in meine Schreibhöhle verkrieche.

